Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)

   Be 4/4 457–476 (1967–2016)


Be 4/4 461 weitgehend im Ablieferungszustand (Aufnahme vom 25. Mai 1990).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 3.161)

 

Mitte der Sechzigerjahre hatte die Überalterung des Rollmaterials der BVB ein Ausmass erreicht, das einen rationellen Betrieb kaum mehr ermöglichte. In den Jahren zuvor waren vom Volk wiederholt Rollmaterialvorlagen an der Urne verworfen worden. Dem damaligen Tramdirektor gelang es mit unermüdlichem Einsatz, auch der Gegnerschaft klar zu machen, dass beispielsweise ein Messeverkehr ohne Tram kaum zu bewältigen wäre. Am 11. November 1966 bewilligte der Grosse Rat einen Kredit zur Beschaffung von 20 Gelenk-Motorwagen, 20 Grossraum-Motorwagen und 20 Grossraum-Anhängewagen. Gegen diese Vorlage wurde kein Referendum mehr ergriffen.

Die 20 Be 4/4 457–476 waren das Resultat einer konsequenten Weiterentwicklung der Ce 4/4 401–422, 423–452 bzw. der Be 4/4 453–456. Die Drehgestelle von SWP waren nun luftgefedert und verfügten über Scheibenbremsen. Der Siemens-Fahrschalter lag neu hinter dem Führerstand unter einem kurzen Längssitz. Gleich geblieben war der Wagenkasten, eine vollständig geschweisste und selbsttragende Konstruktion aus Stahlblechen und Pressprofilen.

Zwar sind die Wagen noch mit Billeteursitz ausgeliefert worden (diese stammten aus den B 1416–1435). Bereits 1970 erfolgte jedoch deren Ausbau.

Entsprechend den sich veränderten Einsatzbedingungen und den steigenden Ansprüchen von Fahrgästen und Personal erfuhren die Be 4/4 457–476 teils markante Änderungen und Umbauten: Für den Einsatz in Vielfachsteuerung unter sich, mit den Be 4/4 477–502 und später auch mit den Be 4/6 659–686 baute die BVB-Werkstätte 1985 bis 1987 in die elf Wagen 466–476 die automatische Fahr-/Bremssteuerung SIBAS 16 von Siemens ein. Damit verbunden war auch die Montage der vorderen +GF+-Kupplung, einer 60poligen Steckdose vorne sowie einer 60poligen Kabelverbindung hinten. Ein neu eingebauter Hilfsfahrschalter im Heck erleichtert Rangiermanöver.

Im Rahmen von Revisionen ab 1994 erhielten alle 20 Wagen kleinere Frontscheinwerfer und bequeme, vierstufige Einstiege. 2003 wurden in den Be 4/4 457–465 Führerstand-Klimageräte nachgerüstet.

Die Be 4/4 457–476 wurden ursprünglich auf den Linien 5/15/16/26 eingesetzt und ersetzten dort das zweiachsige Rollmaterial. Die ersten neun Wagen der Serie blieben den Bruderholzlinien bis zum Schluss treu und liefen nur höchst selten auf anderen Linien. Die für Mehrfachtraktion umgebauten Be 4/4 466–476 liefen ab 2000 hauptsächlich am Zugschluss von sogenannten Sandwichzügen Be 4/4 + B + Be 4/4 auf der Linie 3. Zuvor waren sie auf der Linie 6 im Einsatz.

Dank gutem Unterhalt und kontinuierlicher Modernisierung hielten sich die Wagen bis 2016. Ganzwerbung trugen der Be 4/4 465 (2008) und der Be 4/4 457 (2014). Letzterer blieb als historisches Fahrzeug der Nachwelt erhalten, die übrigen wurden verschrottet.

 

Technische Daten bei Inbetriebsetzung:

Anzahl Wagen: 20
Wagennummern:
457 bis 476
Im Linienbetrieb:
1967 bis 2016
Mechanischer Teil:
SWP
Elektrische Ausrüstung:
BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 464'982.–
Länge über alles:
13'745 mm
Grösste feste Breite:
2'200 mm
Grösste feste Höhe:
3'750 mm
Radsatzabstand im Drehgestell:
1'860 mm
Drehgestellmittenabstand:
6'400 mm
Radsatzfolge:
Bo'Bo'
Dienstgewicht:
20'000 kg
Sitz-/Stehplätze: 28+2/67
Höchstgeschwindigkeit:
60 km/h
Anzahl Fahrmotoren: 4
Hersteller/Typ: BBC GLM 0300a
Stundenleistung: 4 x 90 PS bzw. 4 x 66 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:6,286
Bremsen:
▪ elektrische Widerstandsbremse
▪ indirekt wirkende Druckluftbremse
▪ Magnetschienenbremse
▪ Handbremse
▪ EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

 


Heckansicht des Be 4/4 463 (Aufnahme vom 6. Juli 1992).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 3.200)

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Aktualisiert am 17. September 2016