Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)

   Be 4/4 477–502 Cornichon (1986–)


Be 4/4 498, abgesehen vom Führerstand-Klimagerät im Ursprungszustand (Aufnahme vom 24. März 2003).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 10.1048)

 

Auf den 1. März 1984 führten die BVB und BLT einen besonders preisgünstigen Umwelttarif ein, um möglichst viele Pendler zu veranlassen, statt des Autos das öffentliche Verkehrsmittel zu benützen. Dieses Umweltschutz-Abonnement (U-Abo) führte zu einem markanten Zuwachs an Kunden (1985 +10%). Um den zusätzlichen Platzbedarf anbieten zu können, mussten die BVB vorübergehend Rollmaterial von der BLT mieten.

Die Anschaffung von 26 Motorwagen diente somit nicht dem Ersatz von alten Wagen, sondern der Erweiterung des Platzangebots. Die Wahl fiel auf vierachsige Grossraum-Motorwagen, um eine grosse Zahl vorhandener Anhänger sinnvoll weiter nutzen zu können und um eine grössere Flexibilität bei der Zugszusammenstellung zu erhalten.

Technisch wurden die Be 4/4 477–502 von den sich seit 1978 bewährenden BLT-Gelenkwagen Be 4/6 201–266 abgeleitet. Der selbsttragende Kasten, ein beplanktes Stahlgerippe, war vollständig verschweisst. Um den gefährlichen Spalt zwischen Türe und Randstein zu eliminieren, wurde im Bereich der Türe 3 die Wagenkastenverjüngung reduziert und die vordere Einzeltüre ganz in der Wagenkastenflucht belassen. Da aber die durch die engen Kurven festgelegten Wagenendverjüngungen auf der linken, türlosen Seite nicht verringert werden konnten, entstand ein asymmetrischer Fahrzeug-Grundriss. Die Monomotor-Drehgestelle entsprachen praktisch vollständig jenen der BLT-Be 4/6 201–266.

Bei der Antriebstechnik blieb man bei der konventionellen Technologie mit Untersitz-Nockenfahrschalter gewählt. Eine SIBAS-16-Steuerung erlaubte die Kombination mit bereits vorhandenen Rollmaterial bzw. mit den später beschafften Be 4/6 659–686.

Mit den Be 4/4 477–502 wurden erstmals Dreiwagenzüge, bestehend aus Be 4/4 mit Be 4/4 und B, gebildet. Später ging man dazu über, die kräftigen Vierachser auf Linien mit geringen Steigungen mit zwei Anhängern zu betreiben. So verkehren sie heute vorwiegend auf der langen Linie 1/14. Auf der Linie 3 kommen sie als Spitzenfahrzeuge sogenannter Sandwichzüge Be 4/4 + B + Be 4/4 zum Einsatz. Vollständig von COMBINOs verdrängt wurden sie auf der Linie 6, auf welcher sie debutierten.

Zwischen den Jahren 2000 und 2002 wurden die auch als «Cornichon» bezeichneten Motorwagen mit einer Führerstand-Klimaanlage nachgerüstet. Seit 2008 durchlaufen die Fahrzeuge ein Refit-Programm, bei welchem sie unter anderem mit neuen Sitzen und Fahrgastinformationsanzeigen versehen werden. Einzelne Be 4/4 trugen Ganzwerbung.

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • ab 1996: Ersatz der hydromechanischen Feststellbremse durch eine Federspeicher-Feststellbremse
  • ab 2000: Einbau von Führerstand-Klimageräten
  • ab 2002: Neue Frontscheinwerfer kleinerer Bauart
  • ab 2007: Neues Innenraumdesign, Einbau Videoüberwachung
  • ab 2012: Trittstufenumbau wegen hohen Haltekanten (BehiG)
 
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Anzahl Wagen: 26
Wagennummern:
477 bis 502
Im Linienbetrieb:
1986 bis
Mechanischer Teil:
SWP, SIG
Elektrische Ausrüstung:
BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 1'374'531.– 
Länge über alles:
13'970 mm
Grösste feste Breite:
2'200 mm
Grösste feste Höhe:
3'742 mm
Radsatzabstand im Drehgestell:
1'750 mm
Drehgestellmittenabstand:
6'400 mm
Radsatzfolge:
B'B'
Dienstgewicht:
19'500 kg
Sitz-/Stehplätze: 28+1/70
Höchstgeschwindigkeit:
60 km/h
Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: BBC 4ELO 2052T
Stundenleistung: 2 x 204 PS bzw. 2 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,63 
Bremsen: ▪ elektrische Widerstandsbremse
▪ indirekt wirkende Druckluftbremse
▪ Magnetschienenbremse
▪ hydromechanische Feststellbremse
▪ EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

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Aktualisiert am 12. März 2017