Baselland Transport AG (BLT)

   Be 4/6 201–266 (1978–)


Wagen 212 im Ablieferungszustand (Aufnahme vom 24. April 1989).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 7.842)

 

Mit Botschaft vom 10. September 1975 beantragte der Bundesrat einen Rahmenkredit zur Förderung und Modernisierung von Vororts- und Überlandbahnen (Arbeitsbeschaffungsmassnahme). Der Kredit für neues Rollmaterial für die Basler Vorortslinien 10, 11, 14 und 17 war an die Bedingung geknüpft, dass diese Linien ins Stadtzentrum (Schifflände) geführt würden. Dadurch und aufgrund einer massgebenden Kreditbeteiligung durch den Kanton Baselland war klar, dass die anzuschaffenden Fahrzeuge der BLT gehören würden. Somit war der Weg frei zur grössten Rollmaterialbestellung in der Region Basel. Der Auftrag zum Bau von 66 zweiteiligen Gelenk-Motorwagen ging an die in der Region ansässige Schindler-Waggon AG in Pratteln. Bei der Typenwahl war zu berücksichtigen, dass das neue Rollmaterial mit bestehenden BVB- und BLT-Fahrzeugen kompatibel sein musste.

Hauptabmessungen, Türanordnung und Sitzeinteilung wurden im Wesentlichen von den BLT-Be 4/6 101–115 übernommen. Hingegen wurde der Wagenkasten völlig neu gezeichnet. Das Hauptaugenmerk ruhte dabei auf der Führerkabine (bessere Sichtverhältnisse, besserer Kollisionsschutz).

Das vordere und hintere Monomotor-Drehgestell war motorisiert; das mittlere als Jakobs-Drehgestell als Laufdrehgestell ausgebildet. Aus Kostengründen wurde auf eine Luftfederung verzichtet.

Die Fahrzeuge wurden mit der Simatic-Steuerung ausgerüstet, wie sie bereits bei den Be 4/6 101–115 und den DÜWAG-Motorwagen der BVB vorhanden war. Mit diesen bestand somit eine Kompatibilität hinsichtlich der Vielfachsteuerung. Ursprünglich besassen nur die ersten 18 Wagen Einrichtungen zum Mitführen von Anhängewagen. Ebenso war nur ein Teil der Flotte für den Betrieb auf der Überland-Strecke Hüslimatt–Rodersdorf ausgerüstet (Überlandhorn, Zugsicherung). Im Laufe der Jahre wurden jedoch alle Wagen vervollständigt.

Nur wenige Änderungen und Umbauten mussten an den 66 Gelenk-Motorwagen seit ihrer Inbetriebsetzung vorgenommen werden. Bemerkenswert ist der Ersatz aller 132 Fahrmotor-Rotoren (und jene der Reserve-Drehgestelle) infolge von Rissbildungen. Insbesondere wegen fehlender Ersatzteile begann 2005 der Austausch der Simatic-Steuerung durch eine solche der Firma Selectron. Seither besteht keine Kompatibilität mit den BVB-DÜWAG mehr.

Den markantesten Umbau stellte wohl die 1987 begonnene Erweiterung der Be 4/6 201–212, 214–223, 231–258 und 259 zu Achtachsern mit Niederflur-Mittelteil (Be 4/8 201...259) dar. Zwischenzeitlich sind einzelne Umbauwagen jedoch bereits wieder zu Sechsachsern verkürzt wurden.

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • 1980: Sprechfunk und Anbindung an Betriebsleitsystem BVB (Be 4/6 201–230 [übrige von Anfang an])
  • 1981–1982: Frequenzweichensteuerung (Be 4/6 201–266)
  • 1984–1987: Funksystem Storno für Leitstelle BLT (Be 4/6 201–266)
  • 1990–1991: Einbau Abrissbremse (alle Be 4/6)
  • 1997–2000: Ersatz der rotierenden Umformergruppe durch ein statisches Ladegerät
  • ab 2003: Einbau Videoüberwachung
  • ab 2011: Rückbau der Einrichtungen für Anhängewagen-Betrieb (Aufgabe des Anhänger-Betriebes)

Die ersten Testeinsätze der neuen BLT-Sechsachser fanden im Mai und Juni 1978 auf der Linie 10 (Aeschenplatz–Dornach) statt. Die ersten 30 Fahrzeuge (Be 4/6 201–230) kamen auf die Linie 11, wo sie hauptsächlich in Doppeltraktion (anfänglich auch mit grünen BVB-DÜWAG!) verkehrten.

Da die Strecke Heuwaage–Rodersdorf erst am 26. Oktober 1984 auf Trambetrieb umgestellt worden ist, mussten schon früher gelieferte Be 4/6 231–266 über Jahre abgestellt werden. Dies erfolgte in den Depots Arlesheim (16 Wagen) und Aesch (9) sowie in den Freigeländen der BVB-Depots Wiesenplatz (6) und Allschwilerstrasse (5). Die Depots Aesch und Arlesheim mussten für diese Zwecke zuvor leicht verlängert werden. Zum Vermeiden von Standschäden wurden die Fahrzeuge regelmässig auf den Linien 10 und 11 eingesetzt. Im März 1983 wurden die Be 4/6 245, 246, 248, 250 sowie 251 und im Mai 1983 weitere zehn Be 4/6 der oberen Nummern auf dem Strassenweg ins noch nicht an das BVB-/BLT-Strassenbahnnetz angeschlossene Depot Hüslimatt überführt, um die überfüllten BVB-Depots zu entlasten.

Die BVB profitierte ebenfalls vom neuen BLT-Rollmaterial: Einerseits konnten die DÜWAG-Motorwagen und Anhängewagen von der Linie 11 abgezogen und auf andere Linien verschoben werden. Dies ermöglichte wiederum, die letzten Zweiachser und einige B3-Anhänger aus dem Verkehr zu ziehen. Anderseits konnte die BVB zur Behebung von Kapazitätsengpässen neue BLT-Motorwagen vorübergehend auf Stadtlinien einsetzen. 1984 bis 1986 wurden zehn Wagen fest angemietet (Be 4/6 239–243 und 252–256). Eingesetzt wurden diese vorwiegend auf der Linie 14.

Ab 1999, als der Umbau zu Be 4/8 abgeschlossen war, liefen die 16 verbliebenen Sechsachser 213, 224–230, 258 und 260–266 nur noch hinter Achtachsern auf den Linien 10 und 11. Aufgrund ihrer Führerstand-Ausrüstung (IBIS) zugführend eingesetzt werden konnten jedoch nur die Be 4/6 213 und 225–228. Solche Einsätze erfolgten bis zur Lieferung der Be 6/10 151–154, 155–169, 171–189 «Tango» gelegentlich auf der Linie E11 (Be 4/6 solo).

 

 
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Anzahl Wagen: 66
Wagennummern: 201 bis 266
Im Linienbetrieb: 1978 bis
Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung:
BBC, S-E
Anschaffungskosten/Wg.: ca. CHF 935'000.–
Länge über alles: 19'970 mm
Grösste feste Breite:
2'200 mm
Grösste feste Höhe:
3'660 mm
Radsatzabstand im Triebdrehgestell:
1'750 mm
Radsatzabstand im Laufdrehgestell:
1'700 mm
Drehgestellmittenabstand:
2 x 6'200 mm
Radsatzfolge:
B'(2)B'
Dienstgewicht:
24'500 kg
Sitz-/Stehplätze: 45+1/105
Höchstgeschwindigkeit:
65 km/h
Anzahl Fahrmotoren: 2
Hersteller/Typ: Siemens KB 2021-7 MP 02
Stundenleistung: 2 x 204 PS bzw. 2 x 150 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,625
Bremsen: ▪ elektrische Widerstandsbremse
▪ indirekt wirkende Druckluftbremse
▪ Magnetschienenbremse
▪ hydromechanische Feststellbremse
▪ EPV für Anhängewagen-Druckluftbremse

 


Heckansicht des Be 4/6 214. Zeitweise waren die Wagennummern über dem roten Band im weniger kollisionsgefährdeten Bereich angebracht (Aufnahme vom 2. Oktober 1990 beim Surbaum).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 7.1062)

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Aktualisiert am 04. September 2016