Siemens

   COMBINO-Grounding

Siemens als mittlerweile alleinverantwortlicher Hersteller, welcher zu diesem Zeitpunkt bereits 475 Strassenbahnwagen des Typs «COMBINO» ausgeliefert hatte, verfügte am Freitag, 12. März 2004 um 13:10 Uhr weltweit in 13 Städten die Stilllegung aller Tramwagen dieser Bauart, welche zu diesem Zeitpunkt eine Laufleistung von mehr als 120'000 km aufwiesen (vgl. COMBINO-Grounding). In Basel betraf dies sämtliche 28 Fahrzeuge. Die durchschnittliche Laufleistung betrug rund 150'000 km.

Der Stilllegungsbefehl betraf auch andere Städte: In Freiburg i.Br. oder Potsdam wurden die COMBINOs noch vor der Hauptverkehrszeit um 17 Uhr am Freitagabend ausser Dienst gesetzt (die BVB warteten bis nach Betriebsschluss zu). In Erfurt waren von der Stilllegung acht der seinerzeit 31 Fahrzeuge betroffen, in Augsburg 16 von 41, weitere in Nordhausen und Hiroshima (JP). COMBINOs weiterer Betriebe wie etwa Amsterdam oder Bern wiesen erst geringere Laufleistungen auf und waren somit nicht betroffen.

Siemens begründete die in der Geschichte der Strassenbahn erst- und bisher einmalige Anweisung mit nicht genau kalkulierbaren Risiken bie extremen Betriebssituationen wie zum Beispiel Kollisionen. Schäden am Wagenkasten und Gefährdungen von Wagenführer und Fahrgästen konnten dabei nicht restlos ausgeschlossen werden (vgl. COMBINO-Sanierung).

Betrieb

Den Basler Verkehrs-Betrieben gelang es, durch Rollmaterial-Umdisponierungen, Reaktivierungen abgestellter Fahrzeuge (B 1427), Oldtimer-Einsätzen (Be 4/4 413) sowie durch Anmietung von BLT-Rollmaterial (Be 4/6 123, 135, 141 und 143 sowie B 1316, 1317, 1318 und 1319) den Fahrplanbetrieb weitgehend aufrecht zu erhalten. Ab Juni 2004 halfen fünf Berner Achtachser die Lage weiter zu entspannen.

Entsprechend dem Sanierungsplan von Siemens wurden in einer ersten Phase, welche Mitte April 2004 anlief, alle 28 Basler COMBINOs durch Sicht- und Farbeindringprüfungen sowie durch Röntgen vorsorglich auf Schäden überprüft. Fünf Wagen (Be 6/8 321, 323, 326, 327 und 328) wiesen keine Schäden auf und und konnten ab dem 19. April 2004 wieder eingesetzt werden.

Gestützt auf eine Risikoanalyse legte Siemens fest, welche Fahrzeuge mit geringen Schäden ggf. nach entsprechenden Reparaturen (z. B. neue Ecksäulen, Reparatur von Verbindungswinkeln) wieder in Betrieb genommen werden konnten, ohne dass für Fahrgäste ein erhöhtes Risiko bestand. So kamen nach und nach weitere Fahrzeuge in den Fahrgasteinsatz zurück, bis im Herbst 2004 die Basler COMBINO-Flotte nahezu vollständig wieder im Einsatz stand.

Im Dezember 2004 traten an anderen Stellen erneut Risse auf. Diese wurden dank den intensiven periodischen Kontrollen entdeckt. In der Folge mussten zwei COMBINOs vorübergehend wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Es stand nun definitiv fest, dass für den uneingeschränkten Einsatz sämtliche Wagen einer tiefgreifenden Sanierung unterzogen werden mussten.

 


Trübe Aussichten für Siemens und die BVB: Ausser Betrieb genommene COMBINOs (Be 6/8 319 und 306) vor dem Depot Dreispitz am 13. März 2004, dem Tag nach dem Stilllegungsbefehl.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 14.226)

 


Von der BLT ausgeliehener DÜWAG (Be 4/6 141 ex BVB Be 4/6 641) beim Einsatz auf der BVB-Linie 16, ebenfalls am 13. März 2004, dem Tag nach dem Stilllegungsbefehl.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 15.108)

 

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Aktualisiert am 09. Dezember 2012