Birsigthalbahn AG (BTB)

   ABe 4/4 11–16 (1966–1984)


ABe 4/4 12 im Ablieferungszustand (Aufnahme auf dem Werkareal von Schindler-Waggon AG in Pratteln).
© Werkaufnahme SWP (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)

 

1966 erhielt die Birsigthalbahn AG endlich neues Rollmaterial, mit welchem der Betrieb stark vereinfacht und rationalisiert werden konnte. Die bisherigen, teils bis zu 60 Jahre alten Fahrzeuge konnten weitgehend ausgemustert werden.

Von Schindler-Waggon im nahen Pratteln wurden sechs Motorwagen ABe 4/4 11 bis 16, sieben Steuerwagen Bt 21 bis 27 sowie zwei Mittelwagen B 61 und 62 geliefert. Zusammen mit sechs angepassten Anhängewagen aus den Jahren 1926 bzw. 1932 konnten so sieben dreiteilige Pendelzüge Motorwagen–Zwischenwagen–Steuerwagen gebildet werden. Pendelzüge erlaubten den Verzicht auf das zeitintensive Umfahren der Motorwagen an den Endstationen und trugen so wesentlich zu einem schnelleren und wirtschaftlicheren Betrieb bei. Der Motorwagen befand sich stets «talseitig», also Seite Basel.

Bei den ABe 4/4 11 bis 16 handelte es sich gewissermassen um einen modernisierten Nachbau der ABe 4/4 8 und 9 aus dem Jahre 1951. Äusserlich auffälligstes Merkmal waren die Übersetzfenster. Die Wagenkasten waren in vollständig geschweisster, leichter Stahlbauart ausgeführt. Es war jeweils ein Abteil erster und zweiter Wagenklasse vorhanden, wobei jenes der zweiten Klasse nochmals in ein Raucher- und ein Nichtraucherabteil unterteilt war.

Die pneumatischen Falttüren waren für den Einmannbetrieb ausgelegt. Um das Aus- und Einsteigen zu beschleunigen waren drei Türen pro Wagenseite und geräumige Plattformen vorgesehen. An den Wagenenden der Zweirichtungswagen befanden sich die Führerstände für sitzende Bedienung. Stirnwandtüren und Übergangseinrichtungen erlaubten dem Personal das Zirkulieren zwischen den Wagen.

Die beiden Triebdrehgestelle verfügten über eine zweistufige Abfederung. Die komplett in die Drehgestelle integrierte Bremsanlage erlaubte die Verwendung von Guss- oder Kunststoffbremssohlen. Eine Spurkranzschmieranlage verminderte Lärm und Verschleiss. Sander fehlten.

Mit den bei der BTB neu eingeführten BSI-Kupplungen wurden alle Kontakte für die elektrischen Steuer- und Heizleitungen sowie die beiden Luftleitungen der Charmilles-Bremse automatisch verbunden. Die elektrische Ausrüstung stammte von BBC. Vier Motoren à 130 PS lieferten auch für vierteilige Pendelzüge genügend Leistung.

1972 wurde der Zugfunk nachgerüstet. Aufgrund der Aufgabe der ersten Wagenklasse bei der BTB wurden die sechs Motorwagen per 1. Juli 1973 zu Be 4/4 deklassiert. Die Inneneinrichtung blieb bis zuletzt unverändert.

Anlässlich der Fusion der Basler Vorortsbahnen kamen alle sechs Wagen zur BLT, wo sie mit unveränderten Wagennnummern weiterbetrieben wurden (siehe Be 4/4 11–16).

 
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Anzahl Wagen: 6
Wagennummern: 11 bis 16
Im Linienbetrieb: 1966 bis 1984
Mechanischer Teil: SWP
Elektrische Ausrüstung: BBC
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 671'165.–
Länge über alles: 17'212 mm
Grösste feste Breite: 2'500 mm
Grösste feste Höhe: 4'050 mm
Radsatzabstand im Drehgestell: 2'000 mm
Drehgestellmittenabstand: 11'000 mm
Radsatzfolge: Bo'Bo'
Dienstgewicht: 27'000 kg
Sitz-/Stehplätze: 44+2/76 (zusätzlich 4 Klappsitze)
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Anzahl Fahrmotoren: 4
Hersteller/Typ: BBC
Stundenleistung: 4 x 130 PS bzw. 4 x 96 kW
Übersetzungsverhältnis: 1:5,57
Bremsen: ▪ elektrische Widerstandsbremse
▪ indirekt wirkende Druckluftbremse
▪ Handbremse

 

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Aktualisiert am 09. Dezember 2012