Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)

   C4 1401–1415 (1947–2001)


B 1405 im letzten Betriebszustand vor dem BVB-Depot Dreispitz. Aufnahme vom 23. Februar 1994.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 35.80)

 

Mitte der Vierzigerjahre wurde vom Verband Schweizerischer Transportanstalten ein neuer Typ von Schweizer Standardwagen entwickelt (Typ A). Konstruktiv neu war das Prinzip des selbsttragenden Wagenkastens. Der Bodenrahmen bestand aus Stahl, Kastengerippe, Beplankung und Dach aus Leichtmetall. Auch für den Fahrgast begann eine neue Epoche: Das Wageninnere war nicht mehr durch Trennwände unterteilt sondern ein einziger grosser Raum (Grossraumwagen). Der Einstieg befand sich hinten, so dass am sitzenden Billeteur vorbei nach vorne gegangen werden musste (Fahrgastflusssystem nach Peter Witt).

Die von DWA entwickelten, extrem leichten Drehgestelle verfügten über gefederte SAB-Räder und Klotzbremse. Die Wiegebalken mit den Drehzapfen und den Kastentragrollen, auf denen der Wagenkasten ruhte, waren mit Längsblatt- und Schraubenfedern auf den zentralen Drehgestell-Querrahmen abgestützt. Die Drehgestelle ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, wofür jedoch automatische Türen mit entsprechend höherer Sicherheit unumgänglich waren. Gebaut wurden die Anhänger von den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein AG (damals noch Dornier-Werke AG). Ähnliche Fahrzeuge wurden auch nach Zürich, Bern und Genf geliefert.

Spätere Änderungen (Auswahl):

  • Um 1949: Neue Trittbretter mit Gitterrost
  • 1960–1961: Ausbau Solenoidbremse
  • ab 1962: Entfernung des vorderen Handrades für Handbremse, neue Sitzflächen aus Pagholz®
  • 1965–1966: Einrichtungen für billeteurlosen Betrieb mit Türautomatik
  • 1969–1973: Modernisierung (Ausbau Billeteursitz, neue Fenster, Fluoreszenzröhren-Beleuchtung, neue Heizung, Dachwerbetafeln)
  • Ab 1981: Gepolsterte Sitze (B 1401, 1404, 1406, 1408, 1410, 1411, 1413, 1414)
  • Ab 1985: Demontage der hinteren Kupplungseinrichtungen (B 1409–1415)

Als am 22. November 1947 der erste Vierachsanhänger (C4 1401) in Basel eintraf, standen dafür noch keine passenden Motorwagen zur Verfügung. Die neuen Anhänger verkehrten deshalb zuerst hinter eigens dazu angepassten Zweiachsern (Ce 2/2 164, 167–169 und 201–206) auf der Linie 18. Zuerst waren sie im Depot Dreispitz beheimatet, welches damals keine Wendeschlaufe besass. Auf der abendlichen Fahrt ins Depot befuhren die Kurse den Gleiswechsel bei der Heiliggeistkirche und fuhren von dort rückwärts ins Depot.

Nach Eintreffen der Ce 4/4 401–422 kamen die C4 1401–1415 um 1949 ins Depot Allschwilerstrasse und liefen auf der Linie 6. Ab 1961 (nach dem Eintreffen der ersten luftgefederten Anhänger B 1416 ff.) wurden sie auf die Linie 3 verdrängt, welcher sie während vieler Jahre treu blieben.

Ab Herbst 1986 wurden die B 1401–1408 wieder dem Depot Dreispitz für Einsatzkurse auf der Linie 11 (Aeschenplatz–Surbaum) zugeteilt (hinter Be 4/6 201–230 der BLT!). Dieselben Kompositionen verkehrten auch auf den Messelinien.

Die Übernahme der Linie 11 durch die BLT und ein vermehrter Einsatz von DÜWAG-Doppeltraktionen führte zu einem Anhänger-Überstand, weshalb 1994 die ersten sechs Anhänger an die BLT (B 1404 und 1408, später 1304 und 1305) bzw. an die damaligen Städtischen Verkehrsbetriebe Bern (SVB) verkauft wurden. Im Sommer 2001 wanderte der gesamte Restbestand nach Belgrad aus.

Die nach Bern abgegebenen B 1402, 1403 und 1406 wurden dort als Spitzenverkehrsfahrzeuge benötigt (der B 1414 diente als Ersatzteilspender und wurde 1998 abgebrochen). Dementsprechend beschränkte man die Anpassungen auf ein Minimum (Kupplungen, Türsteuerung usw.). Das BVB-Grün blieb erhalten. Anstelle der Basler Basilisken trat jedoch der Berner Bär. Als B 341–343 verkehrten sie hinter Be 4/4 auf der Linie 5 und hinter Be 8/8 auf der Linie 9. Im November 1999 kamen sie nach Basel zurück. Die BLT beabsichtigte, die Wagen zu revidieren, wozu es jedoch nicht kam (siehe B 341–343). 2001 wurden die Wagen ebenfalls nach Belgrad abgegeben, wo sie eine neue Numerierung erhielten, welche mit den ehemaligen BVB-Nummern nicht übereinstimmte.

 
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Anzahl Wagen: 15
Wagennummern:
1401 bis 1415
Im Linienbetrieb:
1947 bis 2001
Mechanischer Teil:
DWA bzw. FFA
Anschaffungskosten/Wg.: CHF 109'000.–
Länge über alles:
13'750 mm
Grösste feste Breite:
2'200 mm
Grösste feste Höhe:
3'170 mm
Radsatzabstand im Drehgestell:
1'625 mm
Drehgestellmittenabstand:
6'400 mm
Taragewicht:
9'300 kg
Sitz-/Stehplätze: 26 (+1)/79
Höchstgeschwindigkeit:
60 km/h
Bremsen: ▪ Solenoidbremse
▪ indirekt wirkende Druckluftbremse
▪ Magnetschienenbremse
▪ Handbremse



Grossraum-Anhängewagen der Serie C4 1401ff. im Rohbau bei den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein AG.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)



Das Endprodukt: C4 1401 im Ablieferungszustand mit Senkfenstern.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)



Innenaufnahme vor der Modernisierung. Im hinteren Wagenteil ist der Billeteursitz erkennbar.
© BVB (Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen)



B 341 (ex BVB-B 1402) im Einsatz in der Bundesstadt (hinter
Be 8/8 723 am 21. Dezember 1994).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. –)

 

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Aktualisiert am 27. April 2017