Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)

   Be 6/8 5001–5044 FLEXITYBasel (2014–)


Be 6/8 5001 im Ablieferungszustand auf der Linie 8 (28. November 2014, Steinenring).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 16_185)

 

Nach der Jahrtausendwende zeichnete sich sowohl bei den Basler Verkehrs-Betrieben als auch bei der Baselland Transport AG ab, dass demnächst eine grössere Anzahl älterer Strassenbahnwagen abzulösen waren. Die BVB wollten sich von den

trennen, was einen Bedarf an 15 bis 17 Neufahrzeugen ergab.

Nach intensiven Vorabklärungen und unter Einbezug der Erfahrungen aus der COMBINO-Beschaffung war es den beiden Verkehrsbetrieben zunächst gelungen, sich auf ein weitgehend identisches Fahrzeugkonzept zu einigen. Es beinhaltete maximal 45 Meter lange, durchgängige Mehrgelenkwagen mit einem Niederfluranteil von mindestens 60 Prozent. Mitte 2005 erfolgte das Ausschreibungsverfahren gemäss WTO-Standard. Rund ein Jahr später wurde bekannt gegeben, dass sich BVB und BLT für den Strassenbahnwagen des Typs «Tango», eine Neuentwicklung der Firma Stadler Rail AG, entschieden haben.

Zwischen Herbst 2008 und Frühjahr 2009 erreichten vier Vorserienfahrzeuge die Region Basel und wurden bei der BLT als Be 6/10 151 bis 154 in Betrieb genommen. Ein Wagen (Be 6/10 153) stand den BVB für eingehende Tests auf den Linien 1/14, 3, 6 und 8 zur Verfügung. Dabei zeigte sich, dass ein Teilniederflurfahrzeug (Niederfluranteil Tango 75 Prozent) weniger den Anforderungen der BVB insbesondere auf den innenstädtischen Abschnitten nicht zu genügen vermag. Die BVB zogen sich daher im Frühjahr 2010 aus der gemeinsamen Beschaffung zurück und schrieben nach Anpassungen am Lastenheft neu aus. Zentral waren nun ein möglichst grosser Niederfluranteil (wenn möglich 100 Prozent) sowie besser über die gesamte Wagenlänge verteilte Türen.

Im Zusammenhang mit der Neuausschreibung wurde auch die Flottenpolitik für die kommenden 15 Jahre überarbeitet. Dabei zeigte sich einerseits, dass die BVB Strassenbahnwagen verschiedener Längen benötigt und andererseits, dass die Stückzahl aufgrund weiterer aus dem Betrieb zurückzuziehender Wagen auf 60 bis 65 Neufahrzeuge erheblich erhöht werden musste.

Im April 2011 fand die Angebotseröffnung statt. Drei Anbieterfirmen offerierten insgesamt vier Fahrzeugtypen: Stadler Rail AG bot den «Tango» in zwei Varianten (75 und 100 Prozent Niederfluranteil) an. Siemens offerierte den COMBINO und Bombardier Transportation (BT) den FLEXITY (beides 100-%-Niederflurwagen). Nach einem umfassenden, betriebsinternen Evaluationsverfahren gaben die BVB im November 2011 den Entscheid für das Produkt von BT bekannt.

Der Niederflurstrassenbahnwagen des Typs «FLEXITY» wurde eigens für Basel weiterentwickelt, um ein eigenständiges Fahrzeugdesign zu schaffen und den speziellen Eigenheiten des Basler Tramnetzes Rechnung zu tragen. Die vollständige Niederflurbauweise ohne Stufen erhöht die Sicherheit für die Fahrgäste. Breite Gänge, grosse Fenster und verglaste Türen schaffen ein geräumiges und offenes Ambiente. Die siebenteilige Fahrzeugvariante, von welcher die BVB 44 Exempare orderte, ist 43,26 Meter lang und bietet 254 Passagieren komfortabel Platz.

Im Herbst 2014 trafen die Be 6/8 5001 und 5002 als Vorserienfahrzeuge («Los 0») in Basel ein. Bis Ende des Jahres wurden sie intensiven Erprobungen unterzogen, bevor sie in den Fahrgastbetrieb kamen. Dabei waren die Wagen äusserlich durch Folien als «Erlkönige» getarnt. Die Serienlieferung startete am 2. Juli 2015 mit dem Be 6/8 5003.

Montage und Inbetriebsetzung der Be 6/8 5001–5029 erfolgten in Bautzen (DE). Hingegen wurden die Be 6/8 5030–5044 in Wien (AT) gefertigt und in Basel in Betrieb gesetzt. Alle Fahrzeuge erreichten ihren Bestimmungsort auf der Strasse.

Erfahrungen im Betrieb erforderten folgende Anpassungen im Führer- und Fahrgastraum (Auswahl):

  • Verbesserung des Blendschutzes
  • Verschiedene Optimierungen von Bedien- und Anzeigeelementen im Führerraum
  • Zusätzliche Ablagemöglichkeiten im Führerraum
  • Anpassung der abgegebenen Sandmenge beim Sanden
  • Optimierung der Rücksehkameras
  • Entfall der Windfänge in den Gelenkbereichen (Glasscheiben)
  • Schaffung einer dritten Sondernutzfläche im Bereich der Türe 3 unter Entfall von drei Doppelsitzen

Die Änderungen wurden ab dem Wagen 5019 ab Werk umgesetzt. Die Anpassung der Be 6/8 5001–5018 erfolgte noch im Jahr 2016.

 
Technische Daten bei Inbetriebsetzung:
Anzahl Wagen: 44
Wagennummern: 5001 bis 5044
Im Linienbetrieb: 2014 bis
Mechanischer Teil: BT
Elektrische Ausrüstung: BT
Anschaffungskosten/Wg.: ca. CHF 4'000'000.–
Länge über alles: 43'260 mm
Grösste feste Breite: 2'300 mm
Grösste feste Höhe: 3'700 mm
Radpaarabstand im Triebfahrwerk: 1'850 mm
Radpaarabstand im Lauffahrwerk: 1'850 mm
Radsatzfolge: Bo2BoBo
Dienstgewicht: 56'900 kg
Sitz-/Stehplätze: 81+1/172
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h (technisch)
65 km/h (betrieblich)
Anzahl Fahrmotoren: 6
Hersteller/Typ: k. A.
Dauerleistung: 6 x 120 kW bzw. 6 x 163 PS
Übersetzungsverhältnis: k. A.
Bremsen: ▪ elektrische Rekuperationsbremse
▪ elektro-hydraulische Scheibenbremse
▪ Magnetschienenbremse
▪ Federspeicher-Feststellbremse

 


Während der Erprobungsphase waren die beiden Vorserienfahrzeuge 5001 und 5002 als «Erlkönig» getarnt unterwegs (Be 6/8 5001 am 18. September 2014 beim Depot Wiesenplatz).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 16_55)



Das freundliche Intérieur besticht durch grosse Fensterflächen und eine gelungene Sitzannordnung. Anstelle von Polstersitzen kam eine (hygienischere) Holzbestuhlung zum Einbau.
© Bombardier Transportation



Der Bereich hinter dem Führerstand wurde leider nicht derart transparent umgesetzt, wie in dieser Visualisierung des Herstellers. Dies wäre auf jeden Fall ein markanter Gewinn gegenüber dem Tango gewesen.
© Bombardier Transportation

 

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Aktualisiert am 04. September 2016